Richard Yates - Easter Parade
1976 erschien "Easter Parade", Anfang 2007 erschien es in Deutschland bei DVA; nicht zuletzt durch das positive Feedback Elke Heidenreichs' in ihrer Literatursendung "Lesen!" erreichte dieses Buch Bestsellerstatus und wurde in sämtlichen großen Tageszeitungen (FAZ, DIE ZEIT, taz, NZZ, Süddeutsche Zeitung...) fast ausnahmslos positiv besprochen. Und daher bleibt immer die Frage, ob der "normale" Leser sich diesen Beifallsstürmen anschließen kann...
... in diesem Fall kann ich es. Auf höchst scharfe Weise zerstört Richard Yates die Illusion des American Dream, die Illusion, dass ein Leben aus Zufällen, aus eigener Kraft gesteuert und besonders reich gelebt werden kann. Er führt vor Augen, was passiert, wenn die "Anlagen" nicht stimmen - wenn Kindheit und Jugend als reine Posse zurückbleiben.
Sarah und Emily Grimes, zwei Schwestern, die von ihrer alkoholkranken Mutter von Stadt zu Stadt, von Schule zu Schule geschleift werden. Man weiß nie genau, wonach die Mutter sucht. Ist es DER Job, DIE Karriere? Auf allen Wegen scheitert sie, bleibt stets die Suchende; sie erzieht ihre Kinder anti-autoritär, nicht als Mutter, nicht als Verantwortliche. Sie sollen sie Pookie nennen. Was wie ein Name für eine Indianerin klingt, ist nur wiederum ein Ausdruck für ihre Rollensuche. Sie will nicht Mutter sein, sie will auch nicht eine Rabenmutter sein; sie will nicht arbeitslos sein, aber auch nicht mit einem Job behaftet, der ihr weder Glück noch viel Geld bringt.
Die Grimes-Schwestern entwickeln sich unterschiedlich. Sarah heiratet früh einen jungen Mann aus gutem Hause, der sich schnell als brutaler, schlagender Ehemann herausstellt. Und doch bleibt sie, nach der Aufzucht dreier gemeinsamer Kinder bei ihm, und findet sich gebrochen und depressiv als Alkoholikerin wieder.
Emily dagegen führte zwei Ehen, beide zerbrachen; sie hatte ein Stipendium, war Journalistin, liebte mehrere Männer, hatte Affären und wird dennoch nicht glücklich. Ähnlich wie ihre Mutter ist sie auf der Suche, aber nicht nach dem Karriereglück, sondern der Liebe, die sie von ihrer Traurigkeit lösen kann.
Was Richard Yates auf knapp 300 Seiten formuliert, lässt einem sehr nachdenklich zurück. Dieses Buch hat manchmal Längen, manchmal hat man das Gefühl, die Geschichte plätschert. Es werden zwei Leben beschrieben und es könnte langweilig wirken, weil nur wenig passiert, was nicht vorhersehbar ist.
Aber das ist es gerade. Man spürt den nahenden Abgrund, man spürt, dass dies nicht gut gehen kann. Und es endet für alle Figuren nicht positiv, und obwohl dies ersichtlich ist, hofft man.
Für mich ein nachdenklicher machender, sehr lang anhaltender Roman. Obwohl ich ihn schon vor zwei Stunden aus der Hand gelegt habe, hat er mich noch nicht losgelassen. Ein wirklich gutes, kritisches Buch mit einer anhaltend flüssigen, wunderbar zu lesenden Sprache.
Mein Interesse für Richard Yates ist geweckt und ich danke Robert Ford für das Wiederentdecken dieses "Klassiker der Moderne" (FAZ).
... in diesem Fall kann ich es. Auf höchst scharfe Weise zerstört Richard Yates die Illusion des American Dream, die Illusion, dass ein Leben aus Zufällen, aus eigener Kraft gesteuert und besonders reich gelebt werden kann. Er führt vor Augen, was passiert, wenn die "Anlagen" nicht stimmen - wenn Kindheit und Jugend als reine Posse zurückbleiben.
Sarah und Emily Grimes, zwei Schwestern, die von ihrer alkoholkranken Mutter von Stadt zu Stadt, von Schule zu Schule geschleift werden. Man weiß nie genau, wonach die Mutter sucht. Ist es DER Job, DIE Karriere? Auf allen Wegen scheitert sie, bleibt stets die Suchende; sie erzieht ihre Kinder anti-autoritär, nicht als Mutter, nicht als Verantwortliche. Sie sollen sie Pookie nennen. Was wie ein Name für eine Indianerin klingt, ist nur wiederum ein Ausdruck für ihre Rollensuche. Sie will nicht Mutter sein, sie will auch nicht eine Rabenmutter sein; sie will nicht arbeitslos sein, aber auch nicht mit einem Job behaftet, der ihr weder Glück noch viel Geld bringt.
Die Grimes-Schwestern entwickeln sich unterschiedlich. Sarah heiratet früh einen jungen Mann aus gutem Hause, der sich schnell als brutaler, schlagender Ehemann herausstellt. Und doch bleibt sie, nach der Aufzucht dreier gemeinsamer Kinder bei ihm, und findet sich gebrochen und depressiv als Alkoholikerin wieder.
Emily dagegen führte zwei Ehen, beide zerbrachen; sie hatte ein Stipendium, war Journalistin, liebte mehrere Männer, hatte Affären und wird dennoch nicht glücklich. Ähnlich wie ihre Mutter ist sie auf der Suche, aber nicht nach dem Karriereglück, sondern der Liebe, die sie von ihrer Traurigkeit lösen kann.
Was Richard Yates auf knapp 300 Seiten formuliert, lässt einem sehr nachdenklich zurück. Dieses Buch hat manchmal Längen, manchmal hat man das Gefühl, die Geschichte plätschert. Es werden zwei Leben beschrieben und es könnte langweilig wirken, weil nur wenig passiert, was nicht vorhersehbar ist.
Aber das ist es gerade. Man spürt den nahenden Abgrund, man spürt, dass dies nicht gut gehen kann. Und es endet für alle Figuren nicht positiv, und obwohl dies ersichtlich ist, hofft man.
Für mich ein nachdenklicher machender, sehr lang anhaltender Roman. Obwohl ich ihn schon vor zwei Stunden aus der Hand gelegt habe, hat er mich noch nicht losgelassen. Ein wirklich gutes, kritisches Buch mit einer anhaltend flüssigen, wunderbar zu lesenden Sprache.
Mein Interesse für Richard Yates ist geweckt und ich danke Robert Ford für das Wiederentdecken dieses "Klassiker der Moderne" (FAZ).
Glawar - 14. Mär, 23:58





